Schmelzhärtung

Fluoridierung - und alles was hart macht

Der menschliche Zahnschmelz ist einer der härtesten Substanzen, die es in der Natur gibt. Der Hauptbestandteil ist Hydroxylapatit, das in Schmelzprismen über dem Zahnbein (Dentin) angeordnet ist. Hydroxylapatit ist trotz seiner extremen Härte sehr anfällig für Säuren, welche den Zahnschmelz durch Demineralisation an- und schlimmstenfalls sogar auflösen können. Eine der Säuren, die bei der Kariesentstehung eine wichtige Rolle spielt, ist die Milchsäure. Diese Säure wird im Mundraum bei der Verstoffwechselung von niedermolekularen Kohlenhydraten, wie Zucker, Mehl und Stärke, durch Milchsäurebakterien gebildet. Milchsäure selbst ist eine relativ schwache Karbonsäure, die nur dann einen Schaden anrichten kann, wenn sie lange genug auf den Schmelz einwirken kann. Dies findet vorwiegend in nicht entfernten Zahnbelägen, auch Plaque genannt, statt, die sich besonders gerne in den Zahnzwischenräumen und an den Zahnhälsen ablagern.

Eine derartige Demineralisation erkennt man daran, dass sich nach entfernen der Plaque weißliche Bereiche im Zahnschmelz zeigen, die auf die Reduzierung der transluzenten (lichtdurchlässigen) Eigenschaften des Schmelzes zurückzuführen sind. Die dort noch befindlichen Schmelzanteile sind durch die Entmineralisierung weich und brüchig geworden, wodurch sie mit einer falschen und zu aggressiven Putztechnik auch entfernt werden können.

Ein natürlicher Schutz gegen Entmineralisierungen bietet der Speichel, der diese Säuren mit Hilfe seines Bicarbonat-Puffersytems neutralisieren kann und zudem wichtige Mineralstoffe mit sich führt, die eine Remineralisierung ermöglichen. Dies funktioniert allerdings nur, wenn der lokale pH-Wert nicht unter 5,5 fällt, da ab diesem Wert mehr Mineralien herausgelöst werden, als wieder eingelagert werden können. In diesem Falle liegt dann ein Schmelzkaries vor.

Um den somit geschädigten Zahnschmelz wieder stabiler zu machen, kann man den Zahnschmelz fluoridieren. Dies geschieht mit speziellen Fluorid-Präparaten, welches lokal oder systemisch auf den Schmelz aufgetragen wird. Das darin befindliche Fluorid steigert und verbessert dabei die Wiedereinlagerung von Kalzium und Phosphor in der Zahnoberfläche.

Im Zuge der häuslichen Kariesprophylaxe wird bei einem erhöhten Kariesrisiko zudem eine regelmäßige systemische Fluoridieren (einmal pro Woche) empfohlen. 

Die in den letzten Jahren in den Medien häufig postulierte Behauptung, daß fluoridhaltige Präparate, wozu auch Zahncremes und Fluoridierungsgele gehören, für die Entstehung von bösartigen Tumoren mitverantwortlich seien oder sein können, entsprechen nicht dem medizinisch wissenschaftlichen Stand. 

Eine in den letzten Jahren immer häufiger anzutreffende Schmelzfehlentwicklung ist die MIH, was für Molaren-Incisiven-Hypomineralisation steht und deren Ursache bis heute noch nicht geklärt ist. Diese Erkrankung heißt deswegen so, weil davon primär die großen Backenzähne (Molaren) und die Schneidezähne (Icisiven) betroffen sind. Das Ausmaß der Fehlentwicklung variiert dabei stark, wobei nur einzelne Zähne geringfügig betroffen sein können, aber auch bis hin zum völligen Fehlen des Zahnschmelzes.

Da die Nervenhöhle der Zähne von Kindern noch zu groß ist, um mit einer Schutzkrone versorgt werden zu können, ist das primäre Ziel der Behandlung, die Zähne so lange wie möglich zu erhalten. Zu einem späteren Zeitpunkt,  frühestens mit ca. 18 Jahren, kann dann eine entsprechende Kronenversorgung erfolgen. Dies kann in den meisten Fällen dadurch erreicht werden, dass die fehlenden oder schlecht mineralisierten und abgebrochenen Bereiche mit Füllungskunststoff aufgebaut oder abgedeckt werden und lokal eine Intensivfluoridierung stattfindet. Zudem ist neben einer perfekten Mundhygiene, häufig auch eine gewisse Ernährungsumstellung bzw. Ernährungsberatung, ebenso wie ein engmaschiges Kontrollsystem (Recall) von  grundlegender Bedeutung.