Zahnfleischbehandlung (Parodontologie)

Ein gesundes Zahnfleisch - der richtige Rahmen für Ihre Zähne

Obwohl der Großteil der Bevölkerung von paradontalen Erkrankungen verschiedenster Art betroffen ist, ist der Wissensstand hierüber im Vergleich zu anderen weit verbreiteten Erkrankungen sehr gering. Wir beschreiben diese Problematik daher im Folgenden sehr ausführlich und für diejenigen, die etwas tiefer eintauchen wollen, auch etwas mehr aus medizinischer Sicht. Wir beraten Sie natürlich gern persönlich und verständlich. 

Die Parodontologie ist der Teilbereich der ZahnMedizin, der sich mit der Entstehung und Behandlung  von Parodontalerkrankungen (Zahnhalteapparatserkrankungen) beschäftigt. Der Zahnhalteapparat besteht aus mehreren Teilen: dem Zahnfleisch (Gingiva), der Wurzelhaut (Desmodont), dem gingivalen  Faserapparat und dem alveolären Knochen, in welchem die Zahnwurzeln keilförmig verankert sind. 

Da der größte Teil der Parodotalerkrankungen entzündlicher Natur sind, spricht man hier von einer Parodontitis. Man unterscheidet dabei im Wesentlichen in zwei Hauptgruppen:

a.  chronische und

b. aggressive Parodontiden.

Bei den ersteren spielen ebenfalls wieder Zahnbeläge und spezielle parodontal-pathogene Keime eine wichtige Rolle. Bei den aggressiven Verlaufsformen kommt noch eine genetische Prädisposition und/oder eine verminderte Immunabwehr gegen besonders schwer pathogene Bakterien hinzu. Der Verlauf beider Erkrankungsformen wird durch Rauchen besonders nachhaltig beeinflusst. Dies liegt zum einen daran, dass Nikotin ein starkes Immungift ist und zudem die Blutgefäße stark verengt. Durch die reduzierte Durchblutung findet keine ausreichende Sauerstoffversorgung des Gewebes mehr statt und stark pathogen anaerobe Keime  können sich ungehindert ausbreiten. Zudem ist durch die Gefäßverengung auch der Austausch von Immunzellen stark reduziert, wodurch keine ausreichende Abwehrreaktion mehr stattfinden kann. Ein weiterer Risikofaktor für Parodontalerkrankungen ist eine Diabetes mellitus, immunsupprimierte Patienten, Osteoporose, Adipositas, Stress und Depressionen sowie verschiedenenen rheumatischen Erkrankungen.

Bei der Behandlung beider Parodontotisformen steht an erster Stelle die Reduzierung von Belägen und Keimen mittels professioneller Zahnreinigung (PZR) und Anleitung zu einer perfekten Mundhygiene sowie eine krankheitsbezogene Ernährungsberatung. Speziell dafür ausgebildete zahnmedizinische Prophylaxeassistenten/innen und Dentalhygieniker/innen durchgeführt wird. Nach Überprüfung des Vorbehandlungs- und Übungserfolges kann dann die nächste Behandlungsstufe eingeleitet werden, die parodontale Kürettage. Hierbei werden unter lokaler Anästhesie (Betäubung) alle tief unter dem Zahnfleisch liegenden, auf der Wurzeloberfläche fest anhaftetenden Beläge, sog. Konkremente, sowie das, in Folge der bakteriellen Besiedlung abgestorbene und zudem sehr rauhe Wurzelzement entfernt und die Wurzeloberfläche geglättet. Des Weiteren wird auch das die parodontalen Taschen auskleidende Granulationsgewebe entfernt, da sich hierin sehr viele Bakterien aufhalten und knochenabbauende Stoffwechselprozesse stattfinden. Im Anschluß daran werden die Taschen gespült und mit einer desinfizierenden Einlage versehen. Der Eingriff findet im Regelfall immer seitenweise im Ober- und Unterkiefer gleichzeitig und in einer Sitzung statt. Wenige Tage danach finden dann zwischen dem nächsten und nach dem letzten Eingriff noch Wundverlaufskontrollen und Nachbehandlungen statt. Bei sehr großen Taschentiefen, d.h. 6 mm und mehr, ist keine sicher und kontrollierte Entfernung aller Ablagerungen möglich, weshalb in diesen Fällen weitere operative Eingriffe notwendig sind. Es handelt sich dabei um Lappen-Operationen, bei denen das Zahnfleisch geöffnet wird, um unter Sicht die verbliebenen Ab- und Auflagerungen zu entfernen und ggf. auch den Knochen zu modellieren. 

Nach beseitigen aller Entzündungsfaktoren und Abheilen der Eingriffe kann im Bedarfsfalle auch wieder rekonstruktiv gearbeitet werden. Hierbei können lokale Knochendefekte mittels spezieller Augmentationstechniken  wieder aufgebaut und rekonstruiert werden. Gleiches gilt für das Zahnfleisch, die Gingiva. Mittels verschiedener Spalthaut-oder Schleimhautlappentechniken, oft in Kombination mit bindegewebigen Transplantaten und/oder alloplastischen Weichgewebsaugmentaten, kann zumindest ein teilweise und im günstigsten Fall auch ein komplette Rekonstruktion der gingivalen Bereiche möglich sein. 

Um die Behandlungserfolge der chirurgischen Phase zu erhalten, ist eine regelmäßige Nachsorge in Kombination mit einer professionellen Zahnreinigung sowie desinfizierender Resttaschenbehandlung zwingend notwendig. Wir bezeichnen dies als Recallphase und PUT (Paradontitis unterstützende Therapie). 

Ein weiteres, immer häufiger auftretendes Problem sind freiliegende Zahnhälse, was außer als Folge von fortgeschrittenen Parodontalerkrankungen, meist ein Folge von übermäßigen und forciertem  Zähneputzen, häufig noch in Kombination mit der falschen Putztechnik und/oder der falschen Zahnbürste, ist. Auch diese Rezessionen können mittels der oben genannten Techniken gut therapiert werden. Eine Kostenübernahme für augmentative Verfahren sowie für gingivo-rekonstruktive plastische Operationen ist durch die gesetzlichen Krankenkassen leider nicht gegeben und müssen deshalb von den Patienten privat bezahlt werden.